Vibe Coding heisst, Software mit Unterstützung von KI zu entwickeln: Du beschreibst in normaler Sprache, was eine Anwendung tun soll, und ein KI-Agent wie Claude Code oder Codex schreibt und verändert den Code dafür. Die Arbeit verschwindet dabei nicht, sie verschiebt sich: Den Auftrag, die Prüfung und die Entscheidungen behältst du.
Dieser Beitrag erklärt, wie das im Alltag aussieht, was du als Mensch weiterhin leisten musst und welche Annahmen über Vibe Coding häufig nicht stimmen.
Was bedeutet Vibe Coding genau?
Der Begriff klingt locker, und das passt zur Arbeitsweise. «Vibe» steht dafür, dass du eher steuerst als tippst: Du formulierst eine Absicht, schaust dir das Ergebnis an und korrigierst die Richtung. Du schreibst keine Zeile nach der anderen selbst, sondern arbeitest im Austausch mit einem Werkzeug, das den Code erzeugt.
Wichtig ist der Unterschied zwischen einem Chatfenster, das dir ein Codebeispiel zeigt, und einem KI-Agenten. Ein Agent arbeitet in der Regel direkt in deinem Projekt: Er liest vorhandene Dateien, schlägt Änderungen vor und setzt sie um. Du siehst, was sich verändert hat, und entscheidest, ob du es behältst.
Wie entsteht Software mit einem KI-Agenten?
Ein Beispiel: Du willst für eine kleine Firma eine Liste von Kontakten führen, bei denen ein Follow-up ansteht. Mit einem KI-Agenten läuft das ungefähr so ab:
- Du beschreibst das Ziel: Wer nutzt die App, welche Kontakte erscheinen, was soll man damit tun können.
- Du zerlegst die Aufgabe in kleine Schritte, zum Beispiel zuerst die Kontaktliste, dann eine Detailansicht, dann die Statuswechsel.
- Du gibst dem Agenten einen Schritt als Auftrag. Er schreibt oder ändert den Code.
- Du startest die App und schaust nach, ob der Schritt tut, was du beschrieben hast.
- Wenn nicht, beschreibst du genau, was abweicht, und lässt nachbessern.
- Erst wenn der Schritt stimmt, gehst du zum nächsten.
Das klingt einfach, und die ersten Schritte sind es oft auch. Schwieriger wird es, sobald mehrere Teile zusammenspielen. Wenn du einen Filter für überfällige Follow-ups ergänzt, kann der Agent nebenbei etwas an der Liste verändern, das vorher funktioniert hat. Wer in kleinen Schritten arbeitet und nach jedem Schritt prüft, merkt das früh. Wer viel auf einmal verlangt, sucht später lange.
Was trotzdem beim Menschen bleibt
Ein KI-Agent schreibt schnell Code. Er weiss aber nicht, wofür deine App gedacht ist, und er trägt keine Verantwortung für das Ergebnis. Drei Aufgaben bleiben deshalb bei dir.
Der Auftrag
Je genauer du beschreibst, was passieren soll, desto besser kannst du das Ergebnis beurteilen. Hilfreich sind Akzeptanzfälle: kurze Sätze, die ein überprüfbares Verhalten festhalten. Zum Beispiel: «Wenn ich einen Kontakt auf erledigt setze, erscheint er nicht mehr unter den offenen Follow-ups.» Ein solcher Satz ist zugleich Auftrag an den Agenten und Prüfkriterium für dich.
Die Prüfung
Dass eine App startet, heisst noch nicht, dass sie richtig arbeitet. Prüfen bedeutet, gezielt auch die unangenehmen Fälle durchzuspielen:
- Was passiert, wenn jemand ein Pflichtfeld leer lässt oder eine ungültige E-Mail-Adresse einträgt?
- Wie verhält sich die App, wenn eine Schnittstelle eine leere Antwort liefert, einen Fehler meldet oder lange nicht antwortet?
- Wer darf welche Daten sehen oder ändern?
- Stehen Zugangsschlüssel oder andere Geheimnisse irgendwo im Code, wo sie nicht hingehören?
Viele dieser Fälle spricht der Agent nicht von sich aus an. Du musst danach fragen und das Ergebnis selbst testen.
Die Entscheidung
Oft gibt es mehrere Wege. Der Agent schlägt vielleicht vor, eine Funktion umzubauen, die bisher lief. Ob du das willst, entscheidest du. Dazu gehört auch, festzuhalten, was die KI beigetragen hat und was du selbst geändert hast. So kannst du später erklären, warum die App so gebaut ist, und ihre Grenzen benennen.
Verbreitete Missverständnisse über Vibe Coding
«Ich muss gar nichts verstehen.» Du musst nicht jede Zeile selbst schreiben können. Du musst aber verstehen, was die App tun soll, wie du das prüfst und wo ungefähr eine Änderung stattgefunden hat. Ohne dieses Verständnis kannst du Fehler weder erkennen noch beschreiben.
«Was läuft, ist fertig.» Eine Oberfläche, die gut aussieht, kann bei falschen Eingaben abstürzen oder Daten falsch speichern. Fertig ist eine Funktion erst, wenn sie die vereinbarten Fälle besteht, die Fehlfälle eingeschlossen.
«Die KI weiss schon, was ich meine.» Ein Agent füllt Lücken in deinem Auftrag mit Annahmen. Manche passen, manche nicht. Ein unklarer Auftrag führt zu einem Ergebnis, das du schwer beurteilen kannst.
«Mein Lernprojekt kann ich gleich mit echten Firmendaten nutzen.» Eine Übungsanwendung, die Daten im Browser speichert, ist für das Lernen gebaut. Für echte Kundendaten braucht es zusätzliche Überlegungen zu Zugriff, Speicherung und Datenschutz.
«Wenn etwas schiefgeht, frage ich einfach die KI.» Das ist oft ein guter erster Schritt. Damit die Antwort brauchbar wird, musst du den Fehler aber eingrenzen: Was hast du getan, was hast du erwartet, was ist tatsächlich passiert.
Was du für den Einstieg brauchst
Für den Einstieg, wie er im Kurs vorgesehen ist, brauchst du keinen besonderen Computer, aber eine passende Umgebung:
- einen Laptop oder Desktop mit Windows, macOS oder Linux
- die Erlaubnis, Programme zu installieren
- Node.js ab Version 20 und Git
- einen eigenen Zugang zu Claude Code oder Codex, dessen Kosten zum Kurspreis hinzukommen
Wie das Einrichten Schritt für Schritt geht, kannst du in der frei lesbaren Mission 0 zu den Werkzeugen nachlesen, auch ohne gebuchten Kurs.
Wie der Kurs Vibe Coding Foundation zum Thema passt
Vibe Coding Foundation ist das Einstiegsprogramm von BUILT IN CLASS für Erwachsene ohne Programmiererfahrung. Foundation steht für das angeleitete Umsetzen einer klar umrissenen Aufgabe. Du baust mit Claude Code oder Codex eine Kontakt- und Follow-up-App für eine kleine Firma mit Beispieldaten, und zwar entlang genau der Aufgaben, die oben beim Menschen bleiben.
In Mission 1 machst du aus einer Idee einen klaren Auftrag. In den Missionen 2 und 3 entstehen Kontaktliste, Detailansicht, Eingabeprüfung, Statuswechsel und Filter. In Mission 4 verbindest du die App mit einer simulierten Schnittstelle und übst den Umgang mit leeren Antworten, Fehlern und Wartezeiten. Mission 5 dreht sich um Fehlersuche und Zugriffsfälle, Mission 6 um eine Dokumentation, mit der andere die App starten und verstehen können. Zum Schluss erweiterst du die App um einen CSV-Export überfälliger Follow-ups. Alle Missionen findest du in der Kursübersicht.
Jede Mission hat Kriterien in Form von Tests. Auf deinem Computer prüft ein Befehl, ob sie erfüllt sind; zählen tut die Prüfung auf dem Server der Akademie in einer abgeschotteten Umgebung. Nebenbei führst du ein KI-Protokoll. Wie das zusammenspielt, zeigt der Ablauf des Kurses.
Am Ende steht eine schriftliche Projektprüfung mit Fragen zu deinem eigenen Projekt und einer Transferfrage. Eine KI bereitet die Bewertung vor, entscheiden tut eine Prüfperson. Einzelheiten stehen unter Ablauf und Regeln der Prüfung, Kosten und Leistungen unter Preis.